Tierschutzindikatoren Milchrinder

Zur Beurteilung der Tiergerechtheit benötigen Tierhalter Indikatoren, die sich unter den Bedingungen der Praxis und mit vertretbarem Aufwand erheben lassen. Aber wie sehen diese Indikatoren aus?

Milchviehhalter, Veterinäre, Berater und Wissenschaftler haben unter der Leitung des KTBL 14 Indikatoren ausgewählt. Die Indikatoren unterstützen den Tierhalter bei der betrieblichen Schwachstellenanalyse.

Die Auswahl erfolgte problemorientiert: Im Rahmen von zwei KTBL-Expertenfachgesprächen wurden zunächst die in der Praxis bedeutendsten Tierschutzprobleme identifiziert. Dann wurden die Indikatoren ausgewählt, mit denen der Tierhalter zuverlässig erfassen kann, inwieweit diese Tierschutzprobleme auch in seinem Betrieb auftreten. Ein Großteil der Indikatoren wurde übrigens bereits in anderen Systemen langjährig ausgetestet und hat sich bewährt. Mehr zu den einzelnen Indikatoren erfahren Sie in der Tabelle und den Steckbriefen für Milchkühe (PDF, 3 MB).

Tabelle 1: Indikatoren zur Erfassung möglicher Tierschutzprobleme – Produktionsrichtung Milchrinder (Zapf et al. 2015)

Mögliche TierschutzproblemeIndikator
Zu geringe NutzungsdauerNutzungsdauer
MastitidenGehalt somatischer Zellen
Alternativ1): Mastitisbehandlungsinzidenz
Schlechter Ernährungszustand und StoffwechselstörungenKörperkondition
Fett-Eiweiß-Quotient der Milch
Unzureichende Wasserversorgung Wasserversorgung
Lahmheiten Lahmheit
Integumentschäden2)Integumentschäden (inkl. Schwellungen)
Erhöhte MortalitätTierverluste
Geburtsschwierigkeiten Schwergeburtenrate
Mangelhafter Pflegezustand (Haut, Klauen)Verschmutzung der Tiere
Klauenzustand
Eingeschränkter RuhekomfortLiegeplatznutzung
Aufstehverhalten
Mensch-Tier-BeziehungAusweichdistanz

1) Falls keine einzeltierbezogenen Zellzahlen aus der Milchleistungsprüfung vorhanden sind.
2) D. h. Schäden der äußeren Körperhülle.

 

Die empfohlenen Indikatoren stammen aus der KTBL-Veröffentlichung "Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Rind". Die Einführung (PDF, 1 MB) des Leitfadens liefert Ihnen einen Einblick in das, was Sie bei der Erhebung der Indikatoren wissen sollten.
Den vollständigen Leitfaden können Sie im Shop bestellen (siehe rechte Spalte).

Ihr Vorteil:
Im Leitfaden (gedruckte und digitale Version im Shop) sind die Indikatoren für Milchrinder, Aufzuchtkälber und Mastrinder zusammen enthalten. Sie finden dort auch die Aufstellung der zugrunde liegenden sowie hilfreicher weiterführender Literatur und die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema. Die gedruckte Version des Leitfadens ist in einer stalltauglicher Ausführung, und zwar aus robustem Material mit abwaschbaren Seiten und stabiler Ringbindung.

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Vorschläge für die betriebliche Eigenkontrolle

Wissenswertes

Laut Tierschutzgesetz (§ 11 Abs. 8) ist eine betriebliche Eigenkontrolle seit Februar 2014 gesetzlich vorgeschrieben:Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen anhand von Tierschutzindikatoren sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden. So sind Tiere u. a. angemessen zu ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen; die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht einschränkt sein, sodass ihm keine Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Weiterführendes

Tierschutzindikatoren für
- Aufzuchtkälber
- Mastrinder

Eigenkontrolle Tierwohl

Tierschutzindikatoren-Erhebung

Mit dieser Excel-Anwendung können Indikatoren zur Bewertung des Tierwohls gemäß den Methoden der Praxisleitfäden erhoben, verrechnet und dokumentiert werden.
Excel-Datei (1,3 MB) für Microsoft Excel® ab Version 2007 für Windows