Tierschutzindikatoren Aufzuchtkälber (bis 6 Monate)

Ob es den Kälbern gut geht, sieht der Profi auf den ersten Blick. Trotzdem ist es sinnvoll, ab und an gezielt und systematisch nachzuprüfen, wie tiergerecht die Kälberaufzucht ist. Am besten eignen sich hierfür tierbezogene Indikatoren, also Messgrößen, bei denen das Kalb selbst im Fokus steht. Nebenbei sollten sich diese Indikatoren unter den Bedingungen der Praxis mit vertretbarem Aufwand erheben lassen. Rinderspezialisten – Praktiker, Berater, Wissenschaftler – haben unter der Leitung des KTBL 8 Indikatoren erarbeitet, die den Halter von Aufzuchtkälbern bis zum Alter von 6 Monaten bei der betrieblichen Schwachstellenanalyse unterstützen.

In Tabelle 1 sehen Sie die relevantesten in der Kälberaufzucht-Praxis vorkommenden Tierschutzprobleme. Auf der anderen Seite sind die Messgrößen (Indikatoren) aufgeführt, mit denen diese wichtigsten Risiken für das Tierwohl identifiziert werden können. Da mit jedem nicht erfassten Indikator das Risiko steigt, dass wesentliche Tierschutzprobleme nicht erkannt werden, sollten die empfohlenen 8 Indikatoren möglichst vollständig erhoben werden. Mehr zu den einzelnen Indikatoren erfahren Sie in der Tabelle und den Steckbriefen für Aufzuchtkälber bis 6 Monate (PDF, 2 MB).

Ein wichtiger Hinweis noch: Für (Milch-)Mastkälber, die älter als 6 Monaten sind, sind die aufgeführten Indikatoren nicht hinreichend. Hier müssen zusätzliche Aspekte (unter anderem Beinschäden, orale Verhaltensstörungen wie Zungenschlagen, Hämoglobinstatus) berücksichtigt werden.

Die ausgewählten Indikatoren geben dem Tierhalter einen Hinweis auf mögliche Tierschutzprobleme in seinem Bestand. Für die genaue Ermittlung der Ursachen von Auffälligkeiten und die Erarbeitung von Verbesserungsmaßnahmen sollte der bestandsbetreuende Tierarzt oder Fachberater hinzugezogen werden.

Tabelle 1: Indikatoren zur Erfassung möglicher Tierschutzprobleme – Produktionsrichtung Aufzuchtkälber bis 6 Monate (Zapf et al. 2015) 

Mögliche TierschutzproblemeIndikator
Erhöhte MortalitätTierverluste
AtemwegserkrankungenBehandlungsinzidenzen Atemwegserkrankungen
DurchfallerkrankungenBehandlungsinzidenzen Durchfallerkrankungen
Schlechter ErnährungszustandUnterentwickelte Kälber
Mangelhafter Pflegezustand (Haut)Verschmutzung der Tiere
Komplikationen nach nicht kurativen EingriffenKomplikationen nach Enthornung
Gegenseitiges BesaugenGegenseitiges Besaugen
Eingeschränkter RuhekomfortEinstreumanagement

 

Die empfohlenen Indikatoren stammen aus der KTBL-Veröffentlichung "Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Rind". Die Einführung (PDF, 1 MB) des Leitfadens liefert Ihnen einen Einblick in das, was Sie bei der Erhebung der Indikatoren wissen sollten.
Den vollständigen Leitfaden können Sie im Shop bestellen (siehe rechte Spalte).

Ihr Vorteil: Im Leitfaden (gedruckte und digitale Version im Shop) sind die Indikatoren für Milchrinder, Aufzuchtkälber und Mastrinder zusammen enthalten. Sie finden dort auch die Aufstellung der zugrunde liegenden sowie hilfreicher weiterführender Literatur und die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema. Die gedruckte Version des Leitfadens ist in einer stalltauglicher Ausführung, und zwar aus robustem Material mit abwaschbaren Seiten und stabiler Ringbindung.

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Vorschläge für die betriebliche Eigenkontrolle

Wissenswertes

Laut Tierschutzgesetz (§ 11 Abs. 8) ist eine betriebliche Eigenkontrolle seit Februar 2014 gesetzlich vorgeschrieben: Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen anhand von Tierschutzindikatoren sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden. So sind Tiere u. a. angemessen zu ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen; die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht einschränkt sein, sodass ihm keine Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Weiterführendes

Tierschutzindikatoren für
- Milchrinder
- Mastrinder

Eigenkontrolle Tierwohl

Tierschutzindikatoren-Erhebung

Mit dieser Excel-Anwendung können Indikatoren zur Bewertung des Tierwohls gemäß den Methoden der Praxisleitfäden erhoben, verrechnet und dokumentiert werden.
Excel-Datei (1,3 MB) für Microsoft Excel® ab Version 2007 für Windows