Aus Alt mach Neu – 24. Bundeswettbewerb "Landwirtschaftliches Bauen"

Im Bundeswettbewerb "Landwirtschaftliches Bauen" 2017/18 wurden sechs modernisierte Ställe ausgezeichnet – alte Stallbauten, die durch Um- oder Anbauten fit für neue Anforderungen gemacht wurden und deren Konzepte auf andere Betriebe übertragbar sind.


Warum Umbauten interessant sind

Die Tierhaltung steht im Spannungsfeld zwischen Tierwohl, Umweltschutz und Ökonomie. Um zukunftsfähig zu sein, müssen die Haltungsbedingungen unter Berücksichtigung der genannten Zielkonflikte optimiert werden. Eine Genehmigung für Stallneubauten ist oftmals schwierig zu erhalten und in der Regel mit vielen Auflagen verbunden. Zudem ist ein Stallneubau vergleichsweise kostenintensiv. Zukunftsfähige Konzepte können auch aus bestehenden Ställen entwickelt werden. So können Maßnahmen mit geringem Aufwand zu erheblichen Verbesserungen führen und damit den gewünschten Erfolg bringen. Werden beispielsweise Stalleinrichtungen entfernt, können großzügig eingestreute Liege- und Laufflächen oder Aktivitätsbereiche realisiert werden. Werden Stallseiten "aufgebrochen", Fenster und Wände entfernt, lassen sich aus Altgebäuden Ställe mit Außenklima verwirklichen. Wird eine Wand durchbrochen, kann mit geringen finanziellen Mitteln ein tiergerechter Auslauf angebaut werden. Auch ein neuer Bodenbelag kann die Haltungsbedingungen erheblich verbessern.

Gelingt es durch Um- oder Anbauten den Anforderungen privatwirtschaftlichen Label- oder Verbandsvorschriften zu entsprechen, kann der Tierhalter oder die Tierhalterin auch den wirtschaftlichen Betriebserfolg durch höhere Verkaufserlöse über ein Label stärken. Das Bauen im Bestand ist durch die verschiedensten Gegebenheiten limitiert, mit denen es umzugehen gilt. Der pfiffige Planer kann aber oftmals durch wenige Eingriffe in die Bausubstanz Großes bewirken.


Das Fazit der Bundesprüfungskommission

Die Preisträger haben mit vergleichsweise geringem Aufwand Tierwohl gefördert, aktuellen rechtlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen entsprochen und die betriebliche, wirtschaftliche wie familiäre Situation gestärkt. Den Bedürfnissen von Mensch und Tier sowie der Verbrauchererwartung wurde gleichermaßen Rechnung getragen.

Kein Betrieb ist wie der andere, kaum ein Stall mit dem anderen vergleichbar. Und dennoch gibt es gewisse Regeln und Erfordernisse, mit denen sich all diejenigen auseinandersetzen müssen, die sich mit dem Gedanken umzubauen beschäftigen.

Grundsatz Nummer Eins: Leerstand ist zu vermeiden. Auch wenn der Umbau eines bestehenden Gebäudes hin und wieder sogar teurer als der Neubau ist. Wichtig ist grundsätzlich immer, dass eine kompetente Bau- oder Betriebsberatung in die Überlegungen mit einbezogen wird. Genehmigungsrechtliche Hürden können so gemeistert und Planungsfehler vermieden werden. Zu jedem Umbau gehört ein schlüssiges Betriebs- und Vermarktungskonzept. Die durch den Umbau entstehenden Kosten und oft auch die Mehrkosten pro Tierplatz – die entstehen, wenn sich der Bauherr für eine moderne und zukunftsfähige Haltungsform entscheidet –, können so gepuffert werden.

Eine bauliche Weiterentwicklung des Betriebes muss in jedem Fall eine Verbesserung der entstehenden Tierhaltung in Bezug auf Tierwohl- und Umweltaspekte berücksichtigen. Hierbei kommt der Klimatisierung des Stalls eine grundlegende Bedeutung zu. Außenklima ist hier das Stichwort. Witterungsbedingte Klimareize zu erleben, steigert zum einen das Tierwohl und stärkt zum anderen die Verbraucherakzeptanz.

Die Betrachtung für ein Mehr an Tierwohl schließt aber auch immer die Emissionsminderung ein. Hier kann durch eine bedarfsangepasste ggf. Stickstoff reduzierte Fütterung und Entmistungstechniken, die die Exkremente rasch binden bzw. von der Stalloberfläche abtransportieren, viel erreicht werden.

Selbstverständlich dürfen auch arbeitswirtschaftliche Aspekte nicht unbeachtet bleiben. Die Planung von kurzen Wegen, ein gut gelenkter Tierverkehr, An- und Abfahrtswege zum Stall, stimmige Futterachsen sind nur als einige Stichworte zu nennen.

Die Preisträger

Am 13. November 2018 überreichten Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aikens und Dr. Bernhard Polten vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit KTBL-Präsident Prof. Dr. Eberhard Hartung den mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preis. Sechs Betriebe wurden auf dem TopTierTreff der EuroTier in Hannover für herausragende Leistungen prämiert.


Preisträger Hof Willibald (Arzbach, Bayern) – Umbau eines Anbindestalles für Milchkühe zu einem Liegeboxenlaufstall

Familie Willibald betreibt eine Fleckviehzucht mit 13 Milch- und Zuchtkühen, 3 Zuchtbullen und 9 Färsen sowie 5 Kälberplätzen. 2008 erfolgte der Umbau des alten Anbindestalles zu einem Laufstall mit Hochliegeboxen.

Hier beeindruckt eine im Detail durchdachte Umbaulösung, die aus den Gegebenheiten am Hof das Beste herausgeholt hat. Selbst konzipierte Rolltore, Hubdecken im Kälberbereich, abwaschbare Stallwände und -decken sowie eine ausgeklügelte Schiebekonstruktion der Stalldecke, die den Heuboden abtrennt, machen das Gesamtbild des Umbaus stimmig. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sowie die Tiergesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Landwirtsfamilie sprechen für sich. Die Entscheidung für "Qualität statt Quantität" zum Wohle der Tiere zahlt sich aus und ist beispielhaft.

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Preisträger Wackenberger Hof (Wiesbach, Saarland) – Umnutzung eines alten Schweinestalles für die ökologische Legehennenhaltung

Familie Dörr betreibt einen klassischen Familienbetrieb mit Direktvermarktung nach Bioland-Richtlinien. Prämiert wurde der umgebaute Schweinemaststall, der nun 950 Legehennen ein Zuhause in Freilandhaltung bietet.

Die Lage des Schweinemaststalls, direkt an der Straße, bot eine gute Ausgangslage für die Direktvermarktung. Umgebaut wurde zunächst nur die Südhälfte des Gebäudes. Die Güllekanäle wurden versiegelt, die Zwischendecke entfernt und ein Spezialboden gegossen. Das gedämmte Dach hat straßenseitig einen 4 Meter langen Überhang, der den Wintergarten bedeckt. Ein hoher Automatisierungsgrad bei der Innenausstattung verringert die Arbeitsbelastung. Auffallend auf dem Betrieb ist die ausgeprägte Arbeitsorganisation innerhalb der Familie. Die Aufteilung der Betriebs-zweige Tierhaltung und Gemüseanbau/Direktvermarktung lässt jedem seinen Kompetenzspielraum.

Der Stallumbau im Zusammenhang mit der Direktvermarktung ist aus ökonomischer Sicht gelungen und bringt für Mensch und Tier ein gutes Ergebnis.

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Preisträger Bodenkamp van Bebber Veredelung GmbH und Co KG (Samern, Niedersachsen) – Umbau eines konventionellen Schweinemaststalls zu einem Außenklimastall

Die Bodenkamp van Bebber Veredlungs GmbH betreibt auf dem traditionsreichen Hof Bodenkamp einen konventionellen Schweinemastbetrieb. Zwei ehemals geschlossene zwangsbelüftete Mastställe wurden zu Offenställen mit Außenklima umgebaut und bieten nun 1.008 Tieren pro Stallgebäude Platz.

Die alternative Haltung in strukturierten Buchten mit Funktionsbereichen und Bodenfütterung bietet den Tieren eine abwechslungsreiche Umgebung. Das engagierte Betriebsleiterehepaar arbeitet visionär sowohl zum Wohle der Tiere als auch zur Sicherung des Hofes. Die im umgebauten Gebäude gehaltenen Tiere zeichnen sich durch sehr einheitliches Tiermaterial mit nahezu 100 % Ringelschwanz aus und fühlen sich sichtlich wohl. Durch das angeschlossene Vermarktungskonzept über ein eigenes Label ("Duke of Berkshire") ist der Umbau auch ökonomisch tragfähig.

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Preisträger Hof Holzner (Bad Endorf, Bayern) – Integration von Melkstand, Abkalbebereich und Trockensteher in einen alten Anbindestall

Der Betrieb der Familie Holzner wird als Familienbetrieb mit Vater-Sohn-Nachfolge geführt. Hier handelt es sich um einen konventionellen Milchviehbetrieb in GbR mit Label-Vermarktung (Sternenfair-Milch). 57 Milchkühe, 28 Jungrinder und 10 Kälber werden in einem Stallneubau gehalten. Der ehemalige Anbindestall wurde zum Melkhaus mit Abkalbebereich und Laufstall mit Liegeplätzen für Trockensteher umgebaut.

Der Umbau des alten Anbindestalles zum Melkhaus ist sowohl im Betriebsablauf als auch aus klimatischer Sicht gut gelungen. Das alte stabile Gebäude bringt im Melk-stand angenehme Temperaturen und ermöglicht im Sommer wie auch im Winter ein angenehmes Klima für Mensch und Tier. In beengter Dorflage ist dieses Konzept, verbunden mit der Label-Vermarktung, beispielhaft und zukunftsträchtig.

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Preisträger Hof Neumaier (St. Wolfgang, Bayern) – Integration eines ökologischen Hühnermaststalls in einen alten Milchviehstall

Familie Neumaier bewirtschaftet einen tradierten Familienbetrieb. Der alte massive Anbindestall für 30 Milchkühe wurde 2016 zu einem Masthähnchenstall mit Wintergarten und Freiland für 4.800 Bio-Masthähnchen umgebaut.

Das typische Bestandsgebäude aus den 1970er-Jahren wurde komplett entkernt und ein neuer Betonboden eingezogen. Für den Wintergarten, der an der Westseite des Gebäudes entstand, wurden sieben Auslaufluken ausgeschnitten. An der Südseite des Stalles wurden drei große Ventilatoren eingebaut. In der ehemaligen Milchkammer konnte die Technik des neuen Stalles installiert werden. Im Stall wurde eine 8 cm dicke Isolierdecke angebracht und die Aufstallungseinrichtungen (Futter- und Tränkelinien, Sitzstangen, Gaswärmestrahler) eingebracht.

Hier beeindruckt das familiär getragene Betriebskonzept. Zur Sicherung des Familieneinkommens wurde durchdacht agiert, perspektivisch umgebaut und neue Vermarktungswege erschlossen.

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Preisträger UT Oostfreesland GmbH (Wittmund, Niedersachsen) – Umnutzung eines alten Mastschweinestalles für die Legehennenhaltung

Landwirt Rieken betreibt einen konventionellen Haupterwerbsbetrieb. Ihm gelang ein beispielhafter Umbau zweier ehemaliger Schweinemastställe im Außenbereich zu Volierenställen nach Tierschutzstandards der Premiumstufe für 15.950 Legehennen zur Konsumeierproduktion.

Nachdem die Schweineställe entkernt waren, wurde ein neuer Betonboden eingezogen und das Stallgefälle mit maximal 1 Prozent Gefälle begradigt. Das hilft, bei Reinigungsarbeiten das Prozesswasser in den bestehenden Güllekeller einzuleiten. Die Zwischendecken wurden entfernt und eine Sprühdämmung aufgetragen. In die Stallaußenwände wurden Auslaufluken geschnitten, die in den neu gebauten Wintergarten führen. Im Stall selbst wurden Volieren aufgebaut. Entmistet wird im Stall mit einem Unterflurförderband, das einmal pro Woche gestartet wird.

Bei Riekens besticht das vergleichsweise einfache Umbaukonzept mit für Mensch und Tier maximalem Nutzen. Ein unternehmerisch denkender Landwirt hat sich hier eine Nische zwischen konventioneller und ökologischer Tierhaltung erschlossen, die sich wirtschaftlich trägt.

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Alle Ergebnisse auf einen Blick

Zum Bundeswettbewerb ist in Zusammenarbeit mit dem KTBL eine Broschüre des Bundeslandwirtschaftsministeriums erschienen, die kostenlos als PDF heruntergeladen werden kann.

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