Bauprojekte konkretisieren

 Woran muss ich bei einem Bauvorhaben denken?
 Ein Haltungsverfahren gestalten


Woran muss ich bei einem Bauvorhaben denken?

Ein Bauprojekt ist eine Herausforderung. Vor allem Stallbauvorhaben an einem neuen Standort unterliegen einer Vielzahl von Anforderungen und Einflussfaktoren. Planen Sie diese frühzeitig ein. Wichtig ist es auch, an den nächsten und übernächsten Entwicklungsschritt zu denken - der Standort und der Stall sollten jederzeit problemlos erweitert werden können.

Die wichtigsten Anforderungen und Einflussfaktoren beim Stallbau betreffen sowohl betriebliche Aspekte als auch Standortfaktoren und Genehmigungsrecht. Damit Ihr Stallbau ein Erfolg wird, müssen Sie sich als Betriebsleiter im Klaren darüber sein, welche Gründe für eine Investition sprechen und welche Ziele Sie langfristig verfolgen.

Mein Fahrplan zum neuen Stall

Wie im nebenstehenden Schaubild dargestellt, sind folgende Schritte von der Planung bis zur Umsetzung des neuen Stalls zu beachten: Vorbereitung des Genehmigungverfahrens, Bauanfrage/Antrag stellen, Ablauf des Genehmigungverfahrens, Genehmigungsentscheidung, Bauumsetzung. Am wichtigsten ist eine gute Vorbereitung. Sobald Sie wissen, was Sie wollen und wie Ihr zukünftiger Stall aussehen soll, kann Ihr Bauunternehmer oder Architekt den Genehmigungsprozess anstoßen.

Ein tragfähiges Betriebs- und Vermarktungskonzept erstellen

Nach Baurecht müssen Stallbauvorhaben, die im Außenbereich realisiert werden sollen, dauerhaft auf Erwerb ausgerichtet sein. Die Bauverwaltungen müssen daher prüfen, ob sich die Investitionskosten in einem angemessenen Verhältnis zu dem erwarteten Gewinn verhalten. Sie berücksichtigen dabei angemessene Unternehmereinkommen und auch, ob eine ausreichende Eigenkapitalbildung erzielt wird. Auch bei Inanspruchnahme von Förderprogrammen oder Bankkrediten wird die Prüfung der Wirtschaftlichkeit in der Regel gefordert.

Ein Haltungsverfahren gestalten

Bei der Auswahl und der Gestaltung des Haltungsverfahrens sind unabhängig von diesen betrieblichen Aspekten immer der aktuelle Stand der Technik und die grundsätzlichen Anforderungen des Tier- und Umweltschutzes zu beachten. Neben den Tierschutzbestimmungen sind insbesondere die baulichen und betrieblichen Anforderungen der TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) und die Richtlinie VDI 3894 Blatt 1 "Emissionen und Immissionen aus Tierhaltungsanlagen - Haltungsverfahren und Emissionen - Schweine, Rinder, Geflügel, Pferde" relevant.

Wichtig ist, dass die einzelnen Teilbereiche des Haltungsverfahrens aufeinander abgestimmt sind und Sie sich mit diesem Haltungsverfahren identifizieren können. Produktionstechnische Beratung bieten die Landwirtschaftsverwaltung, Erzeugerringe und Vermarktungsorganisationen sowie Stallbaufirmen und Architekten. 

Raum- und Funktionsprogramm erarbeiten

Das Raumprogramm beschreibt die Art und Größe der benötigten Räumlichkeiten. Für einen Milchviehstall umfasst dies etwa die Anzahl der Kühe und die daraus abgeleiteten Plätze für Kälber und Jungvieh. In welchem Haltungssystem sollen diese Tiere gehalten werden? Welches Melksystem wird angestrebt und wie viele Melkplätze sind notwendig? Wie groß müssen die Lagerräume für Milch, Futter, Einstreu, Flüssig- und Festmist einschließlich Sicherheitszuschläge sein?

Ähnliches gilt auch für einen Mastschweinestall. Hier ist die Wahl des Lüftungssystems (Unterdruck oder freie Lüftung) von großer Bedeutung. Zusätzlich sind teilweise Mindestanforderungen von Tierwohl- und Markenprogrammen oder der ökologischen Tierhaltung zu berücksichtigen.

Funktionsbereiche

Im Funktionsprogramm werden die einzelnen Funktionsbereiche wie Liegen, Fressen, Trinken, Laufen, Entmisten und (bei Milchvieh) Melken sowie ihre Anordnung zueinander beschrieben. Ausgangspunkt ist das natürliche Verhalten der Tiere: So wird beispielsweise festgelegt, wie der Liegebereich gestaltet sein soll und welche Anforderungen eine Liegebox oder eine eingestreute Liegefläche erfüllen müssen. Wenn alle Funktionsbereiche beschrieben sind, lässt sich ihre räumliche Zuordnung planen. Je mehr Funktionen an einem Ort gebündelt werden, desto eher sind Kompromisse für Mensch und Tier notwendig. Eine geschickte Anordnung wirkt sich daher positiv auf die Tiere und die Arbeitsabläufe des Landwirts aus.

Als Grundlage für die ersten Gespräche mit dem Planungsbüro ist es hilfreich zunächst einen eigenen Basisgrundriss zu skizzieren. Als Hilfsmittel eignen sich die KTBL-Beispielgrundrisse aus der Web-Anwendung BauKost: Anhand der Planungsbeispiele können in kurzer Zeit verschiedene Varianten verglichen werden. Im Vordergrund steht dabei noch nicht die konstruktive Detailplanung, sondern die grundlegende Anordnung der Funktionsbereiche.

Arbeitswege

Für ein effizientes Arbeitsmanagement sind die täglichen Arbeitswege maßgeblich: Wie lang sind die Strecken vom Wohnhaus zum Stall und innerhalb des Stalls? Lassen sich zusätzliche Durchgänge integrieren? Für effiziente Arbeitsabläufe sollten Stallgebäude, Futter- und Mistlager entlang der Hauptachsen angeordnet werden. Auch mögliche Erweiterungen sollten in der Vorentwurfsphase mitgedacht werden.

Stehen mehrere Skizzen und Entwürfe, empfiehlt sich der Austausch mit Fachberatern. In der Vertiefung wird sich zeigen, welche Ansätze tragfähig sind, wo Schwierigkeiten für Mensch, Tier und Technik auftreten können und welche Aspekte bislang unberücksichtigt geblieben sind. Eine sorgfältige Planung zahlt sich aus, denn Änderungen während der Bauphase können schnell teuer werden.

Die täglichen Arbeitswege – etwa zwischen Wohnhaus, Büro und Melkhaus sowie innerhalb des Stalls – sollten möglichst kurzgehalten werden. Alle Bereiche müssen maschinell befahrbar sein; durchgängige Mistachsen erleichtern den Arbeitsfluss. Die Anordnung des Gesamtgebäudes am Standort beeinflusst zudem Stallklima, Emissionen und Energiekonzept – Faktoren wie Hauptwindrichtung und Himmelsrichtung spielen dabei eine wesentliche Rolle. Im Gebäudeentwurf muss das Mechanisierungskonzept berücksichtig werden, etwa die Wahl zwischen Futtermischwagen und automatischem Fütterungssystem. Dafür sind entsprechende Flächen im Grundriss und in der Erschließung einzuplanen.


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