Tierschutzindikatoren Sauen und Saugferkel

Um die Tierwohlsituation im eigenen Bestand einschätzen zu können, benötigen Sauenhalter bzw. Ferkelerzeuger Indikatoren, also Messgrößen, die sich unter den Bedingungen der Praxis mit vertretbarem Aufwand erheben lassen. Welche Indikatoren sind für Sauen und Saugferkel geeignet?

Schweinehalter, Veterinäre, Berater und Wissenschaftler haben unter der Leitung des KTBL 18 überwiegend tierbezogene Indikatoren für Sauen, und 4 für Saugferkel ausgewählt. Die Indikatoren sollen den Tierhalter bei der betrieblichen Schwachstellenanalyse und seinen Managementscheidungen unterstützen.

Die Auswahl wurde problemorientiert getroffen: Im Rahmen von zwei KTBL-Expertenfachgesprächen wurden zunächst die Tierschutzprobleme identifiziert, die in der Praxis am bedeutendsten sind. Dann wurden die Indikatoren ausgewählt, mit denen der Tierhalter zuverlässig feststellen kann, inwieweit diese Tierschutzprobleme auch in seinem Betrieb auftreten. Mehr zu den einzelnen Indikatoren erfahren Sie in den folgenden Tabellen und den Steckbriefen für Sauen (PDF, 2 MB) bzw. für Saugferkel (PDF, 1 MB). Die hier empfohlenen Indikatoren sollten möglichst vollständig erhoben werden, da mit jedem nicht erfassten Indikator das Risiko steigt, dass wesentliche Tierschutzprobleme nicht erkannt werden.

Tabelle 1: Indikatoren zur Erfassung möglicher Tierschutzprobleme – Produktionsrichtung Sauen (Zapf et al. 2015, modifiziert nach Schrader et al. 2016)

Mögliche TierschutzproblemeIndikator
HitzestressKotverschmutzung der Tiere
Eingeschränkte TiergesundheitSchlachtbefunde1)
Anzeichen von Ektoparasiten
Therapiehäufigkeit Antibiotika
Umrauscherquote
Abortrate
Eingeschränkter RuhekomfortSchwellungen an den Beinen
Schulterläsion
Verletzungen an Zitzen und Gesäuge
Eingeschränkte BewegungsmöglichkeitLahmheit
Klauenveränderungen
Eingeschränktes NestbauverhaltenNestbaumaterial
Schlechter ErnährungszustandUnterkonditionierung
Unzureichende WasserversorgungWasserversorgung
Verstärkte soziale AuseinandersetzungenHautverletzungen (außer Gesäuge- und Schulterläsionen)
BeschäftigungsmangelStereotypien
Zu geringe NutzungsdauerWurfzahl
Tierverluste (inklusive euthanasierter Fälle)

1) Brustfellentzündungen (Pleuritiden), Lungenentzündungen (Pneumonien), Herzbeutelentzündungen (Perikarditiden), Leberbefunde und –verwürfe, Abszesse, Gelenkentzündungen (Arthritis), notgetötete Tiere, ggf. weitere.

 

Tabelle 2: Indikatoren zur Erfassung möglicher Tierschutzprobleme – Produktionsrichtung Saugferkel (Zapf et al. 2015, modifiziert nach Schrader et al., 2016)

Mögliche TierschutzproblemeIndikator
Unzureichender Ernährungszustand/
eingeschränkte Tiergesundheit
Kümmerer
Erhöhte MortalitätTierverluste (totgeborene bzw. verendete und
euthanasierte Ferkel)
Verletzungen und SchädenHautverletzungen am Kopf
Hautverletzungen an Karpalgelenken

 

Die empfohlenen Indikatoren stammen aus der KTBL-Veröffentlichung "Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Schwein". Die Einführung (PDF, 3 MB) des Leitfadens liefert Ihnen einen Einblick in das, was Sie bei der Erhebung der Indikatoren wissen sollten.
Den vollständigen Leitfaden können Sie im Shop bestellen (siehe rechte Spalte).

Ihr Vorteil: Im Leitfaden (gedruckte und digitale Version im Shop) sind die Indikatoren für Sauen, Saugferkel, Aufzuchtferkel und Mastschweine zusammen enthalten. Sie finden dort auch die Aufstellung der zugrunde liegenden Literatur und die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema. Die gedruckte Version des Leitfadens ist in einer stalltauglicher Ausführung, und zwar aus robustem Material mit abwaschbaren Seiten und stabiler Ringbindung.

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Vorschläge für die betriebliche Eigenkontrolle

Wissenswertes

Laut Tierschutzgesetz (§ 11 Abs. 8) ist eine betriebliche Eigenkontrolle seit Februar 2014 gesetzlich vorgeschrieben: Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen anhand von Tierschutzindikatoren sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden. So sind Tiere u.a. angemessen zu ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen; die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht einschränkt sein, sodass ihm keine Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Weiterführendes

Tierschutzindikatoren für
- Aufzuchtferkel
- Mastschweine

Eigenkontrolle Tierwohl

Tierschutzindikatoren-Erhebung

Mit dieser Excel-Anwendung können Indikatoren zur Bewertung des Tierwohls gemäß den Methoden der Praxisleitfäden erhoben, verrechnet und dokumentiert werden.
Excel-Datei (1,3 MB) für Microsoft Excel® ab Version 2007 für Windows