Tierschutzindikatoren Mastschweine

Warum ist es sinnvoll, das Tierwohl im eigenen Mastschweinebestand zu „messen“? Vor allem, um Entscheidungshilfe fürs eigene betriebliche Management zu bekommen. Daneben kann es auch ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion ums Tierwohl in der Schweinemast sein.

Die Tabelle zeigt für die Schweineaufzucht und -mast die relevantesten in der Praxis vorkommenden Tierschutzprobleme. Auf der anderen Seite sind die Messgrößen (Indikatoren) aufgeführt, mit denen diese wichtigsten Risiken für das Tierwohl nach Ansicht von Schweinefachleuten aus Wissenschaft, Beratung und Praxis am besten identifiziert werden. Die hier empfohlenen 13 Indikatoren sollten nach Möglichkeit vollständig erhoben werden. Denn mit jedem nicht erfassten Indikator steigt das Risiko, dass wesentliche Tierschutzprobleme nicht erkannt werden. Ein Großteil der Indikatoren wurde übrigens bereits in anderen Systemen langjährig ausgetestet und hat sich bewährt. Mehr zu den einzelnen Indikatoren erfahren Sie in der folgenden Tabelle und in den Steckbriefen für Aufzuchtferkel und Mastschweinen (PDF, 2 MB).

Tabelle 1: Indikatoren zur Erfassung möglicher Tierschutzprobleme – Produktionsrichtungen Aufzuchtferkel und Mastschweine (Zapf et al. 2015)

Mögliche TierschutzproblemeIndikator
Nicht kurative Eingriffe am TierSchwanzlänge
HitzestressKotverschmutzung der Tiere
Eingeschränkte TiergesundheitTherapiehäufigkeit Antibiotika
Schlachtbefunde1)
Anzeichen von Ektoparasiten
Verletzungen und SchädenHautverletzungen (ohne Schwanz und Ohren)
Ohrverletzungen
Schwanzverletzungen
Eingeschränkte BewegungsmöglichkeitLahmheit
Unzureichende WasserversorgungWasserversorgung
Verminderte VitalitätTägliche Zunahmen
Kümmerer
Tierverluste

1)Brustfellentzündungen (Pleuritiden), Lungenentzündungen (Pneumonien), Herzbeutelentzündungen (Perikarditiden), Leberbefunde und –verwürfe, Abszesse, Gelenkentzündungen (Arthritis), notgetötete Tiere, ggf. weitere.

 

Die empfohlenen Indikatoren stammen aus der KTBL-Veröffentlichung "Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Schwein". Die Einführung (PDF, 3 MB) des Leitfadens liefert Ihnen einen Einblick in das, was Sie bei der Erhebung der Indikatoren wissen sollten.
Den vollständigen Leitfaden können Sie im Shop bestellen (siehe rechte Spalte).

Ihr Vorteil: Im Leitfaden (gedruckte und digitale Version im Shop) sind die Indikatoren für Milchrinder, Aufzuchtkälber und Mastrinder zusammen enthalten. Sie finden dort auch die Aufstellung der zugrunde liegenden Literatur und die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema. Die gedruckte Version des Leitfadens ist in einer stalltauglicher Ausführung, und zwar aus robustem Material mit abwaschbaren Seiten und stabiler Ringbindung.

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Vorschläge für die betriebliche Eigenkontrolle

Wissenswertes

Laut Tierschutzgesetz (§ 11 Abs. 8) ist eine betriebliche Eigenkontrolle seit Februar 2014 gesetzlich vorgeschrieben: Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen anhand von Tierschutzindikatoren sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden. So sind Tiere u.a. angemessen zu ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen; die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht einschränkt sein, sodass ihm keine Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Weiterführendes

Tierschutzindikatoren für
- Sauen und Saugferkel

Eigenkontrolle Tierwohl

Tierschutzindikatoren-Erhebung

Mit dieser Excel-Anwendung können Indikatoren zur Bewertung des Tierwohls gemäß den Methoden der Praxisleitfäden erhoben, verrechnet und dokumentiert werden.
Excel-Datei (1,3 MB) für Microsoft Excel® ab Version 2007 für Windows