BMEL-Bundeswettbewerb zeichnet zukunftsweisende Stallumbauten aus

"Aus Alt mach Neu" titelt der BMEL-Bundeswettbewerb Landwirtschaftliches Bauen 2017/18. Staatssekretär Dr. Aeikens zeichnete auf der EuroTier zukunftsweisende Stallumbauten aus

 

Leerstand ist zu vermeiden. Was also mit dem alten Stall tun, wenn er nicht mehr den aktuellen Haltungsvorgaben entspricht oder nicht mehr ins Betriebskonzept passt? Der diesjährige Wettbewerb hat gezeigt, dass es für Bestandsgebäude durchaus treffende Lösungen geben kann. Sechs Landwirte haben vorbildlich umgebaut und wurden als Betriebe mit Vorbildcharakter auf der EuroTier durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgezeichnet. Im Folgenden werden die sechs Preisträger kurz vorgestellt. Ausführliche Informationen bietet das Begleitheft zum Wettbewerb "Aus Alt mach Neu! – Zukunftsweisende Stallanlagen durch Umbau", welches als barrierefreies PDF über die Homepage des Bundesministeriums zu beziehen ist.

Prämierte Betriebe

1. Betrieb Willibald, Arzbach, Bayern

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Familie Willibald betreibt eine erfolgreiche Fleckviehzucht mit 13 Milch- und Zuchtkühen, 3 Zuchtbullen und 9 Färsen sowie 5 Kälberplätzen. 2008 erfolgte der Umbau des alten Anbindestalles zu einem Laufstall mit Hochliegeboxen.

Hier beeindruckt eine im Detail durchdachte Umbaulösung, die aus den Gegebenheiten am Hof das Beste herausgeholt hat. Selbst konzipierte Rolltore, Hubdecken im Kälberbereich, abwaschbare Stallwände und -decken sowie eine ausgeklügelte Schiebekonstruktion der Stalldecke, die den Heuboden abtrennt, machen das Gesamtbild des Umbaus stimmig. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sowie die Tiergesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Landwirtsfamilie sprechen für sich. Die Entscheidung für „Qualität statt Quantität“ zum Wohle der Tiere zahlt sich aus und ist beispielhaft.

2. Betrieb Dörr, Wackenberger Hof, Wiesbach, Saarland

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Familie Dörr betreibt einen klassischen Familienbetrieb mit Legehennenhaltung, Acker-/Gemüsebau und Direktvermarktung nach Bioland-Richtlinien. Prämiert wurde der umgebaute Schweinemaststall, der nun 950 Legehennen ein Zuhause in Freilandhaltung bietet.

Die Lage des Schweinemaststalls, direkt an der Straße, bot eine gute Ausgangslage für die Direktvermarktung. Umgebaut wurde zunächst nur die Südhälfte des Gebäudes. Die Güllekanäle wurden versiegelt, die Zwischendecke entfernt und ein Spezialboden gegossen. Das gedämmte Dach hat straßenseitig einen 4 Meter langen Überhang, der den Wintergarten bedeckt. Ein hoher Automatisierungsgrad bei der Innenausstattung verringert die Arbeitsbelastung. Auffallend auf dem Betrieb ist die ausgeprägte Arbeitsorganisation innerhalb der Familie. Die Aufteilung der Betriebszweige Tierhaltung und Gemüseanbau/Direktvermarktung lässt jedem seinen Kompetenzspielraum. Der Stallumbau im Zusammenhang mit der Direktvermarktung ist aus ökonomischer Sicht zweifellos gelungen und bringt für Mensch und Tier ein gutes Ergebnis. Familie Dörr betreibt einen breit aufgestellten Familienbetrieb mit Zukunft.

3. Betrieb Bodenkamp van Bebber Veredlungs GmbH und Co KG, Samern, Niedersachsen

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Die Bodenkamp van Bebber Veredlungs GmbH betreibt auf dem traditionsreichen Hof Bodenkamp einen konventionellen Schweinemastbetrieb. Zwei ehemals geschlossene zwangsbelüftete Mastställe wurden zu Offenställen mit Außenklima umgebaut und bieten nun 1.008 Tieren pro Stallgebäude Platz. Die alternative Haltung in strukturierten Buchten mit Funktionsbereichen und Bodenfütterung bietet den Tieren eine abwechslungsreiche Umgebung.

Die engagierten Betriebsleiter arbeiten visionär sowohl zum Wohle der Tiere als auch zur Sicherung des Hofes. Die im umgebauten Gebäude gehaltenen Tiere zeichnen sich durch sehr einheitliches Tiermaterial mit nahezu 100 % Ringelschwanz aus und fühlen sich sichtlich wohl. Durch das angeschlossene Vermarktungskonzept über ein eigenes Label („Duke of Berkshire“) ist der Umbau auch ökonomisch tragfähig.

4. Betrieb Holzner, Bad Endorf, Bayern

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Der Betrieb der Familie Holzner wird als Familienbetrieb mit Vater-Sohn-Nachfolge geführt. Hier handelt es sich um einen konventionellen Milchviehbetrieb in GbR mit Label-Vermarktung (Sternenfair-Milch). 57 Milchkühe, 28 Jungrinder und 10 Kälber werden in einem Stallneubau gehalten. Der ehemalige Anbindestall wurde zum Melkhaus mit Abkalbebereich und Laufstall mit Liegeplätzen für Trockensteher umgebaut.

Der Umbau des alten Anbindestalles zum Melkhaus ist sowohl im Betriebsablauf als auch aus klimatischer Sicht gut gelungen. Das alte stabile Gebäude bringt im Melkstand angenehme Temperaturen und ermöglicht im Sommer wie auch im Winter ein angenehmes Klima für Mensch und Tier. In beengter Dorflage ist dieses Konzept, verbunden mit der Label-Vermarktung, beispielhaft und zukunftsträchtig.

5. Betrieb Neumaier, St. Wolfgang, Bayern

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Familie Neumaier bewirtschaftet einen tradierten Familienbetrieb. Der alte massive Anbindestall für 30 Milchkühe wurde 2016 zu einem Masthähnchenstall mit Wintergarten und Freiland für 4.800 Bio-Masthähnchen (Naturland/regionale Vermarktung) umgebaut.

Das typische Bestandsgebäude aus den 1970er-Jahren wurde komplett entkernt und ein neuer Betonboden eingezogen. Für den Wintergarten, der an der Westseite des Gebäudes entstand, wurden sieben Auslaufluken ausgeschnitten. An der Südseite des Stalles wurden drei große Ventilatoren eingebaut. In der ehemaligen Milchkammer konnte die Technik des neuen Stalles installiert werden. Im Stall wurde eine 8 cm dicke Isolierdecke angebracht und die Aufstallungseinrichtungen (Futter- und Tränkelinien, Sitzstangen, Gaswärmestrahler) eingebracht.

Hier beeindruckt das familiär getragene Betriebskonzept. Zur Sicherung des Familieneinkommens wurde hier durchdacht agiert, perspektivisch umgebaut und neue Vermarktungswege erschlossen. Die Familie ist mit der neuen Situation zufrieden. Tiergesundheit und -leistung sprechen für sich.

6. Betrieb Rieken, UT Oostfreesland, Aurich, Niedersachsen

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Landwirt Rieken betreibt einen konventionellen Haupterwerbsbetrieb. Ihm gelang ein beispielhafter Umbau zweier ehemaliger Schweinemastställe im Außenbereich (Alleinlage) zu Volierenställen nach Tierschutzstandards der Premiumstufe (Freiland (4 m²/Henne)) für 15.950 Legehennen zur Konsumeierproduktion.

Nachdem die Tretmist-Schweineställe entkernt waren, wurde ein neuer Betonboden eingezogen und das Stallgefälle mit maximal 1 Prozent Gefälle begradigt. Das hilft, bei Reinigungsarbeiten das Prozesswasser in den bestehenden Güllekeller einzuleiten. Die Zwischendecken wurden entfernt und eine Sprühdämmung aufgetragen. In die Stallaußenwände wurden Auslaufluken geschnitten, die in den neu gebauten Wintergarten führen. Im Stall selbst wurden Volieren aufgebaut. Entmistet wird im Stall mit einem Unterflurförderband, das einmal pro Woche gestartet wird.

Hier besticht das vergleichsweise einfache Umbaukonzept mit für Mensch und Tier maximalem Nutzen. Ein unternehmerisch denkender Landwirt hat sich hier eine Nische zwischen konventioneller und ökologischer Tierhaltung erschlossen, die sich wirtschaftlich trägt.


V.l.n.r.: Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens, die Gewinner des Bundeswettbewerbes, Professor Dr. Eberhard Hartung (© Landpixel.eu)

 

KTBL-Presse-Information vom 14. November 2018 als TXT- oder DOCX-Datei

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