Gruppenhaltung von tragenden Sauen

Die Verfahrungsgestaltung bei der Gruppenhaltung von tragenden Sauen ist wesentlich beeinflusst von der Wahl des Fütterungssystems. Es sind sowohl tierindividuelle wie gruppenindividuelle Verfahren möglich.

Mit der Forderung nach der Gruppenhaltung tragender Sauen wird insbesondere dem Tierschutz mehr Rechnung getragen. Beispiele dafür wären das ausgeprägte Sozialverhalten der Sauen, das Fressverhalten, sowie das Erkundungs-, Komfort- und Hygieneverhalten. Bei der stärkeren Berücksichtigung der Tiergerechtheit werden sich auch in Zukunft funktionelle, arbeits- und kostensparende Haltungsverfahren durchsetzen. Die in Frage kommenden Gruppenhaltungsverfahren sind so zu gestalten, dass sinnvolle Kompromisse zwischen Tierschutz, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit geschaffen werden. Die Möglichkeiten der Gruppenhaltungen werden in diesem Beitrag vorgestellt.

Tiergerechtheit

Definition Tiergerechtheit. Tierhaltungssysteme sind „tiergerecht“, wenn sie den spezifischen Eigenschaften der in ihnen lebenden Tieren Rechnung tragen (Sundrum et al., 1994). Es dürfen dabei essenzielle Verhaltenmuster der Tiere nicht dermaßen einschränkt werden, dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden am Tier selbst oder durch ein so gehaltenes Tier an einem anderen entsteht. Eine tiergerechte Verfahrensgestaltung gewährleistet außerdem, dass körperlichen Funktionen der Tiere in keinem Falle beeinträchtigt werden. Will man Sundrum et al. (1994) folgen, wird es sehr schwierig sein, ein Verfahren zu konstruieren, dass alle o. g. Anforderungen erfüllt, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Belange des Umweltschutzes und der Wirtschaftlichkeit. Hier müssen sinnvolle Kompromisse gefunden werden.

Gruppenhaltung. Bei optimaler Verfahrensgestaltung kann sich die Gruppenhaltung für tragende Sauen positiv auf die Tiergesundheit auswirken. Nach Hoy und Kurth (2001) erreichten Betriebe, die die Gruppenhaltung betrieben, vergleichbare biologische Leistungen wie Betriebe mit Einzelhaltung.

Gruppenzusammenstellung. Einer der wichtigsten Faktoren für die richtige Umsetzung der Gruppenhaltung ist das Management bei der Gruppenzusammenstellung. Soweit möglich sind stabile Gruppen anzustreben. Ständig wechselnde Gruppen führen immer wieder zu Auseinandersetzungen, die neben Stress im Extremfall bis zum Fruchttod (Olsson und Svendsen 1997) führen können.
Allerdings sind bei richtigem Management auch Wechselgruppen durchaus praxistauglich.

Strukturierung der Bucht.
Um häufigen Aggressionen zwischen den Sauen, insbesondere bei dynamischen Gruppen, vorzubeugen, ist darauf zu achten, dass den Tieren ausreichend Platz, eine gut erkennbare Strukturierung der Bucht und ein Fütterungssystem geboten werden, welche die unnötige Konkurrenz zwischen den Tieren verhindert (Edwards 1992, de Baey-Ernsten 1996).
Hier sei beispielsweise auf technische Detaillösungen verwiesen, wie die Verwendung von Sichtblenden bei Einzelfressständen (Anderson et al. 1999), die Fressplatzbindung durch verzögerte Futtervorlage bei der Dribbelfütterung oder der Einsatz von technisch ausgereiften Abruffütterungsstationen.

Weiterführende Maßnahmen für Verfahren, in denen die Sauen nacheinander fressen müssen, haben dazu beigetragen, Rangkämpfe insbesondere bei restriktiver Fütterung zu minimieren. Beispiele hierzu sind gleichzeitige Grobfuttergabe zum Fütterungsbeginn (Weber et al. 1993) oder die Zwangsführung der Sauen aus der Station in den Auslauf (Mußlick und Rudovsky 1994).

Ein weiterer Punkt für die tiergerechte Gruppenhaltung ist die aktive Unterstützung des natürlichen Erkundungsverhaltens der Sauen. Die Zugabe von Beschäftigungsmaterial, z. B. Stroh, kann zur Senkung des Aggressionsniveaus in der Gruppe beitragen (Durrell et al. 1997).

Verfahrensgestaltung

Durch die gezielte Beeinflussung des Sozial-, Erkundungs- und Fressverhalten mittels baulich-technischer Maßnahmen und einem angepasstem Management wird die Grundlage der tiergerechten Gruppenhaltung von Sauen gelegt. Ein Problem bleibt dennoch: Die rationierte Fütterung der Sauen führt zu einem langanhaltenden Hungerstress, der möglicherweise die Ursache von Stereotypie (Robert et al. 1997) und erhöhter Aggression ist. Beschäftigungsmaterialien in der Bucht oder neue Fütterungsformen, wie die Sattfütterung am Futterautomaten, können den Hungerstress mindern.

Fütterungsvarianten

Eine der wichtigsten Rollen bei der Gruppenhaltung spielt die Wahl des Fütterungssystems. Im Sinne der Verfahrensgestaltung stehen die unten aufgeführten Varianten zur Verfügung (Tab. 1). Dabei sind bei der rationierten Fütterung tragender Sauen tierindividuelle und gruppenindividuelle Fütterungssysteme zu unterscheiden.

Tab. 1: Varianten der Fütterung bei der Verfahrensgestaltung tragender Sauen in Gruppenhaltung
Rationierte
Fütterung
Ad libitum Fütterung
tierindividuelle
Fütterung
  • Abruffütterung
  • Breinuckelfütterung
Flüssigfütterung (BELADOS)
gruppenindividuelle Fütterung
  • Fütterung mit Selbstfangfressstand
  • Cafereriafütterung
  • Fütterung im Einzelfressstand
  • Dribbelfütterung
  • Automatenfütterung
  • Flüssigfütterung
Automatenfütterung

Abruffütterung
Eine technisch sehr weit entwickelte Variante der tierindividuellen Fütterungssystemen ist die Abruffütterung (de Baey-Ernsten 2000). Neben der sicheren Technik ist auf die betriebsangepasste Programmierung des Fütterungsablaufes zu achten. Ein „zwangsgeführter“ Ausgang weg von der Station, z. B. in den Auslauf (Mußlick und Rudovsky 1994) und die Zugaben von ausreichend Beschäftigungsmaterial bzw. das Zufüttern zum Futterbeginn wirken sich positiv auf das Verhalten der Sauengruppe aus (Abb. 1).

 Abruffütterung Abb. 1: Abruffütterung mit ausreichendem Warteraum vor dem Eingang der Station und seitlichen Liegekojen (Foto: Achilles)

Ausgewählte Vorteile der Abruffütterung liegen in:
  • der tierindividuellen Futterversorgung
  • der Möglichkeit der Selektion einzelner Sauen
  • der Kompatibilität der Software zum Sauenplaner
  • der Optimierung des Management durch die Möglichkeit des Einsatz elektronischer „Stallbücher“ (Handterminal)
Ausgewählte Nachteile liegen in:
  • Die Sauen können nicht gleichzeitig fressen. Die Jungsauen müssen an das System angelernt werden.
  • Die Herdenübersicht stellt höchste Anforderungen an den Betriebsleiter.
  • Bei kleineren Beständen müssen dynamische Gruppen mit ständigem Zu- und Abgang in der Gruppe genutzt werden.

Breinuckelfütterung
Ein weiteres System tierindividueller Fütterung ist die Breinuckelfütterung. Hier bekommen die Sauen eine definierte Menge an Futter direkt in das Maul. Die Steuerung des Systems erfolgt über rechnergestützte elektronische Erkennungssysteme in Anlehnung an die Steuerung der Standardabruffütterungsanlagen.

Ausgewählte Vorteile sind vergleichbar mit denen der Standardabruffütterung. Bei der Breinuckelfütterung kommt hinzu, dass das gemeinsame Fressen bei Fressbereichen mit mehreren Fressstellen zumindest teilweise umgesetzt ist und der Anlernaufwand nicht so hoch ist wie bei der Standardabruffütterung.

Flüssigfütterung (BELADOS)
Eine weitere Variante der Flüssigfütterung mit Einzeltiererkennung und individueller Futtervorlage stellt die BELADOS- oder DURADOS-Fütterung dar. Bei diesem System erfolgt die Futtervorlage für Einzeltiere an der offenen Station in einzelnen Dosiermengen von 250 - 500 cm². Bei Verdrängungen der fressenden Sau durch eine andere Sau wird der Trog automatisch geschlossen, sodass die verdrängende Sau keinen Zugang zum Futter hat. Futterrestmengen im Trog können dann durch die nächste Sau mit Futteranspruch zusätzlich gefressen werden.

Vorteile des Systems sind:
  • tierindividuelle Futterversorgung
  • flexible Einordnung in bestehende Gebäude
Nachteile sind:
  • nicht alle Sauen können gleichzeitig fressen
  • Rangkämpfe am Trog können vorkommen
  • keine Selektion der Sauen am Fressautomaten möglich

Gruppenindividuelle Fütterungssysteme
Bei diesen Fütterungssystemen nehmen die Sauen ihr Futter gemeinsam und doch ungestört auf. Dies vermeidet Unruhe während der Fütterung. Allen Systemen ist gleich, dass jedes Tier der Gruppe die gleiche Futtermenge vorgelegt bekommt. Daher ist eine Gruppenzusammenstellung nach Futterbedarf erforderlich. In kleinen Beständen, in denen keine Fütterungsgruppen gebildet werden können, wird die angepasste Futterversorgung durch Handfütterung oder bei Einsatz von Trockenfutterautomaten mittels Nachschlagfütterung per Hand vorgenommen. Die Bedienung ist in allen Fällen einfach, die Funktionssicherheit sehr hoch und die Bestandsübersicht gut. Von Nachteil sind die hohen Investitionskosten, nicht zuletzt in Folge des hohen Flächenaufwandes und die fehlende Möglichkeit der einzeltierbezogene Fütterung.

Die Cafeteriafütterung bietet den Vorteil, dass durch die Mehrfachnutzung der Fütterungstechnik niedrigere Investitionskosten als beim klassischen Fressstandsystem erreicht werden. Nachteilig ist der erhöhte Aufwand und die Arbeitszeitbindung durch das systembedingte Führen der Gruppen zum Fressbereich und zurück in die Gruppenbucht.

Dribbelfütterung
Die Möglichkeit des synchronen Fressens bei gleichzeitiger „biologischer“ Fixierung der Sauen an den Fressplatz bietet das Verfahren der Dribbelfütterung (Abb. 2). Erfolgt die Futtervorlage in der Dosiergeschwindigkeit, die der Futteraufnahmegeschwindigkeit der am langsamsten fressenden Sau einer Gruppe entspricht, werden alle Sauen der Gruppe an ihrem Fressplatz „biologisch“ gebunden. Erhöhte Aggressivitäten der Sauen während der Fütterung werden damit unterbunden.

Dribbelfütterung  Abb. 2: Dribbelfütterung ermöglicht gleichzeitiges ungestörtes Fressen der Sauen ohne Kastenstand (Foto: Mönning)

Vorteile der Dribbelfütterung liegen:
  • in der Einfachheit der Technik
  • in der Benutzerfreundlichkeit
  • in der guten Bestandsübersicht
Aufgrund der fehlenden Möglichkeit, Tiere individuell zu versorgen, stehen dem die Nachteile gegenüber:
  • die Sauen müssen konsequent in Fütterungsgruppen eingeteilt werden
  • Kleingruppenhaltung mit der Folge, dass das absolute Platzangebot und somit die Bewegungsmöglichkeit geringer ist als in größeren Buchten

Flüssigfütterung
Die Flüssigfütterung bei tragenden Sauen hat sich in Beständen von mehr als 500 produktiven Sauen etabliert. Die Fütterung erfolgt wie bei allen Simultanfütterungen gruppenindividuell und nicht tierindividuell. Der Einsatz des Fütterungssystems in der Gruppenhaltung tragender Sauen verbindet die Managementvorteile einer Simultanfütterung mit arbeitswirtschaftlichen bzw. betriebswirtschaftlichen Vorteilen.

Weitere Vorteile der Flüssigfütterung liegen in:
  • der Möglichkeit, kostengünstige Futtermittel einsetzen zu können
  • dem hohen Automatisierungsgrad inklusive der programmtechnischen Möglichkeiten wie beispielsweise der Fütterung nach Fütterkurve
Dem stehen als Nachteile gegenüber:
  • es ist keine individuelle Futterversorgung möglich
  • der Aufwand für die Technik ist durchaus hoch
  • es ist ein hohes Maß an Managementfähigkeiten erforderlich

Automatenfütterung
Bei der Automatenfütterung sind die ad libitum Fütterung, die so genannte Sattfütterung, und die rationierter Fütterung voneinander zu unterscheiden. Problematisch ist die teilweise starke Verfettung der Sauen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Zuchtkondition. Teilweise Abhilfe verschafft nach Hoy und Niklaus (2000) das Abstellen der Tränken am Breiautomat. Das damit vorgegebene Tier-Fressplatz-Verhältnis von 4 : 1 (Trockenfutterautomat) wird durch den Einsatz von Rohrautomaten (16 Fressplätze am Automat) gewährleistet. Die Nachteile der ad libitum Fütterung führten zur Entwicklung der rationierten Fütterung am Automat (Hoy und Niklaus 2000). Nach Hoy (2000 b) liegen keine gravierenden Unterschiede in der Futteraufnahme bei den Sauen einer Gruppe vor. Unter Berücksichtigung einiger technischen Parameter, z. B. seitliche Begrenzungswand (Abb. 3 werden fressende Sauen am Automat kaum verdrängt. (Hoy 2000 b).

 Breiautomat Abb. 3: Rationierte Fütterung am Breiautomaten mit seitlichen Begrenzungswänden (Foto: Meyer)

 Vorteile der Automatenfütterung:
  • niedrige verfahrensbedingten Investitionskosten
  • einfache Handhabung und Bedienerfreundlichkeit der Fütterungstechnik
  • der Einsatz stark quellfähiger Rohfaserkomponenten ist möglich
  • die Tiere müssen nicht an das System angelernt werden
  • das System ist für kleine und große Gruppen geeignet
  • es kommen wenig Rangkämpfe am Trog vor
Die rationierte Automatenfütterung hat gegenüber der ad libitum Variante weiterhin den Vorteil, dass leicht Leistungs- und Konditionsgruppen gebildet werden können und die Bestandskontrolle während des Fressens besser ist.

Nachteile der rationierten Automatenfütterung:
  • die Tiere können nicht individuell versorgt werden
  • Selektion, Kontrolle und Behandlungen erfordern angepasste Lösungen
  • Betriebsleiter haben keinerlei Übersicht über die tägliche Futteraufnahme einzelner Sauen

Bei der ad libitum Variante kommen als Nachteile hinzu, dass die Bestandskontrolle erschwert ist, die Futterkosten hoch sind und für etwa 5 % bis 10 % der Sauen Reserveplätze vorzusehen sind. Nach HOY 2000a bestehen erhebliche Unterschiede im individuellen Futterverzehr sowie eine negative Korrelation zwischen hoher Futteraufnahme im Wartebereich und geringem Futterverzehr im Abferkelabteil.

Einflussgrößen auf die Verfahrenswahl

Herdengröße
Ein wichtiges Entscheidungskriterium für die einzusetzenden Fütterungsverfahren ist die Herdengröße des Betriebes. Die Herdengröße beeinflusst stark die Fütterungs- und Aufstallungsvariante. Bestände mit mehr als 350 produktiven Sauen profitieren von den vorhandenen Kostendegressionen der Fütterungstechniken. Für größere Herden stehen deshalb vor allem auch technisch aufwändige Verfahren zur Wahl: Die Abruffütterung, die Breinuckelfütterung und die Flüssigfütterung. Aber auch die rationierte und ad libitum Fütterung am Automaten stehen zur Disposition. Selbstfangstände und deren Modifikationen wären für größere Bestände denkbar, sind aber unter dem Gesichtspunkt der Kosten den anderen Fütterungsverfahren unterlegen. Sie können eher bei kleineren Beständen von weniger als 200 produktiven Sauen zum Einsatz kommen.

Aufstallungsvariante mit oder ohne Einstreu
Für die Wahl der Aufstallungsvariante mit oder ohne Einstreu ist Folgendes zu beachten: Hygiene, Stallklima, Immissionsschutz, Klauengesundheit, Arbeitswirtschaft und Investitionsfolgekosten. Besteht keine Möglichkeit der Mechanisierung bei der Entmistung, ist unter den heutigen Bedingungen die Einstreuhaltung für tragende Sauen aus arbeitswirtschaftlicher Sicht kritisch zu betrachten. Kommen Verfahren zum Einsatz, die eine klare Strukturierung der Bucht zulassen, z. B. Dreiflächenbuchten, sind eingestreute Teilflächen, z. B. Liegebereich, im Interesse der Sauen wünschenswert. Die Kombinationen von eingestreuten und perforierten Flächen in der Bucht bilden den Kompromiss zwischen den Forderungen des Tierschutzes und den wirtschaftlichen Interessen.

Einstreuverfahren. Verfahren mit ausschließlich eingestreuten Flächen sollten, wenn überhaupt, allein aus Gründen der Arbeitswirtschaftlichkeit nur bei kleineren bis mittleren Herdengrößen (200 bis 350 produktive Sauen) zum Einsatz kommen. Bei Beständen mit mehr als 350 produktive Sauen wird die Wirtschaftlichkeit keine ausschließliche Einstreuhaltung zulassen. Hier haben sich Kombinationen, z. B. Mehrflächenbuchten mit Abruffütterung, in der Praxis bestens bewährt.

Einstreulose Verfahren. Einstreulose Haltungsverfahren Einstreulose Haltungsverfahren sind immer dann sinnvoll, wenn kleine Gruppengrößen bei fütterungsspezifisch vorgegebener Buchtengeometrie angestrebt werden, z. B. mittlere Bestände mit Dribbelfütterung mit acht bis zehn Tieren je Bucht. In diesem Fall muss anderes Beschäftigungsmaterial, z. B. Spielketten, angeboten werden.

Emissionsregelungen
Für genehmigungsbedürftige Anlagen gemäß Anlage zur 4. BImSchV gelten u. a. generell die Forderungen der TA Luft (2002). Soll beispielsweise im Zuge eines Umbaus ein Wechsel der Aufstallungsform zum Einstreuverfahren erfolgen, werden gemäß der TA Luft (2002) in Bezug auf Ammoniak-, Staub- und Keimemission größere Abstände zu empfindlichen Pflanzen und Ökosystemen gefordert als bei einstreuloser Haltung. Sind diese unterschritten, müssen Maßnahmen zur Minimierung der Emissionen aufgezeigt werden oder im schlechtesten Fall muss der Bestand reduziert werden. Die Frage der Aufstallungsvariante hängt von der allgemeinen Betriebsentwicklung ab und der damit verbundenen Verantwortung des Betriebsleiters zu den Arbeitnehmern.

Kosten

Die Kosten eines Verfahrens gliedern sich in verfahrensspezifische Investitions- und Investitionsfolgekosten. Damit ist die Wahl des Fütterungssystems für kleinere Herdengrößen mit weniger als 200 produktiven Sauen in erster Linie von der Höhe der verfahrensspezifischen Investitionskosten abhängig. Denn die Investitionskosten für Fütterungsanlagen unterliegen mit steigender Stückzahl erheblichen Degressionen. In kleineren Beständen mit bis zu 200 produktiven Sauen können Abruffütterungsanlagen, Breinuckelfütterungsanlagen, Dribbelfütterungsanlagen, Varianten der rationierten Fütterung mit Trockenfutterautomaten und Selbstfangstände bzw. Modifikationen eine gewichtige Rolle spielen. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sollten Flüssigfütterungsanlagen in diesen Bestandsgrößen nicht eingesetzt werden.
Für Bestände mit mehr als 350 produktiven Sauen ist die Höhe der verfahrensspezifischen Investitionsfolgekosten entscheidender. Arbeitsintensive Verfahrenslösungen, z. B. Cafeteriafütterung, werden in größeren Anlagen keine Rolle spielen. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit des Verfahrens bietet sich Folgendes an: Flüssigfütterungsanlagen, Abruffütterungsanlagen, Breinuckelfütterungsanlagen, Dribbelfütterungsanlagen und eventuell Varianten der rationierten Fütterung mit Trockenfutterautomaten.

Fazit

Breinuckel- und Dribbelfütterungen sowie Abruf- und Flüssigfütterungen erweisen sich aufgrund geringer Kosten als günstige Varianten. Von Selbstfangständen ist abzuraten, weil die Anschaffungskosten hoch sind und bei dem Verfahren der ad libitum Automatenfütterung (Sattfütterung) die Futterkosten höher liegen. In der Praxis können jedoch sehr unterschiedliche Bedingungen vorherrschen. Nur leicht veränderte kalkulatorische Ansätze, z. B. Einstreu-, Arbeits-, Futter- oder Baukosten, können die Wettbewerbsverhältnisse schnell umkehren.

Unter den Gesichtspunkt des Ethologie stehen Verfahrensgestaltungen voran, in denen den Sauen Wahlmöglichkeiten geboten werden. Das wird durch klar strukturierte Funktionsbereiche, unterschiedliche Klimabereiche oder Möglichkeiten zur Abkühlung, z. B. Duschen und ausreichend kühle Liegeflächen sowie ausreichend Beschäftigungsmaterial, wie Stroh oder auch Scheuerbäume mit abgehängten Ketten, gefördert. Diese Maßnahmen tragen u. a. dazu bei, Stereotypien oder erhöhte Aggressionen unter den Sauen zu lindern. Zum Einsatz von Einstreumaterial, z. B. Stroh im Liegebereich, oder der Zugabe von Grobfutter ist immer dann zu raten, wenn auf Grund eines eingeschränkten Tier-Fressplatz-Verhältnisses kein synchrones Fressen der Sauen möglich ist. Die Gabe sollte dann zum Fütterungsstart erfolgen, damit die Tiere von den Fütterungsstationen abgelenkt werden.

Natürliches Licht und natürliche Temperaturschwankungen wirken sich positiv auf die Tiergesundheit und das Wohlbefinden der Sauen aus. Außenklimaställe oder Ställe mit Ausläufen sind diesbezüglich besonders vorteilhaft.

Die Herdengröße beeinflusst die Wahl des Fütterungssystems wesentlich. Hier wird deutlich, dass für Kleinstbestände ausschließlich der Selbstfangstand und deren Modifikationen die alleinige Möglichkeit der Fütterung von tragenden Sauen in Gruppenhaltung darstellen. Ab einer Bestandsgröße von mehr als 100 produktiven Sauen erweitern sich mit steigender Tierzahl die Möglichkeiten der Verfahrensgestaltung. Sauenherden über 250 produktive Sauen bieten neben gruppenindividuellen Fütterungsverfahren (Dribbel-, Flüssig- und Automatenfütterung) beste Vorraussetzungen für den Einsatz tierindividueller Fütterungsverfahren (Breinuckel- und Abruffütterung).

Abschließend bleibt anzumerken, dass sich der Landwirt mit ausgewählten Fütterungsverfahren identifizieren muss, um damit wirklich Erfolg zu haben.

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Autoren

Michael Mußlick - Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Erfurt

Quelle

Mußlick, M. (2002): Zusammenfassung (bearbeitet 2007 von Fritzsche, St.) in: Sauen in Gruppenhaltung, KTBL-Schrift 411, KTBL, Darmstadt, S. 128 – 135

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