agroXML mit Innovationspreis ausgezeichnet

Die KTBL-Arbeitsgemeinschaft „agroXML" ist auf den Agrarcomputertagen 2008 in Alsfeld im Rahmen des „Innovationspreises Agrarcomputertage" mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden. Die Jury aus Fachjournalisten der deutschen Agrarpresse würdigt damit die besonderen Verdienste der Arbeitsgemeinschaft um die Entwicklung eines einheitlichen Standards im überbetrieblichen Datenaustausch. Wochenblatt-Chefredakteur Cornelius Mohr hob in seiner Laudatio die Unabhängigkeit von agroXML hervor: „Als herstellerübergreifende Schnittstelle ermöglicht agroXML eine barrierefreie Datenkommunikation zwischen verschiedenen Softwareprodukten."

 Preisverleihung auf den Agrarcomputertage für agroxml

Der hessische Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (li.) und der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider überreichten die Urkunde an Dr. Martin Kunisch (re.), Projektleiter „agroXML", und Dr. Heinrich de Baey-Ernsten (mi.), Hauptgeschäftsführer des KTBL in Darmstadt. „Es ist eine großartige Bestätigung für unsere Arbeit und zeigt, dass sich agroXML als Standard etabliert und in der Branche angekommen ist.", betont Dr. Martin Kunisch. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Partnern sei dieser Erfolg möglich.

Das KTBL entwickelt die Datenaustauschsprache gemeinsam mit führenden Agrarsoftwarehäusern sowie Dienstleistern unter Beteiligung von Landtechnikherstellern, Wissen¬schaftlern und anderen Experten. Sie sitzen in der Arbeitsgemeinschaft an einem Tisch und stellen Konkurrenzgedanken in den Hintergrund. „Im Sinne des Kunden verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: Eine einheitliche Sprache, damit der Datenaustausch zwischen den Softwareprogrammen reibungslos funktioniert.", erklärt der Projektleiter.


Weitere Hintergrundinformationen:

1. Die Landwirtschaft spricht agroXML - Ziele, Kooperationspartner, Stand der Entwicklung und Anwendungsbeispiele

2. Software wird komfortabler und effizienter - Interview mit Dr. Martin Kunisch, Projektleiter „agroXML" beim KTBL in Darmstadt


1. Die Landwirtschaft spricht agroXML

agroXML erleichtert den Datenaustausch zwischen landwirtschaftlicher Betriebssoftware und externen Partnern.

Ziele von agroXML
Mit agroXML werden die Antrags- und Dokumentationsprozesse für Agrarförderung, Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung vereinfacht und können schrittweise automatisiert werden.

Kooperationspartner
An der Entwicklung von agroXML arbeiten derzeit folgende Partner mit: agrocom GmbH & Co Agrarsystem KG, Bielefeld; agroSat Consulting GmbH, Baasdorf; BASF AG, Ludwigshafen; Claas Selbstfahrende Erntemaschinen GmbH, Harsewinkel; Helm Software, Ladenburg; ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion), Bad Kreuznach; John Deere, Agricultural Management Solutions, Zweibrücken; Landdata-Eurosoft, Pfarrkirchen.

Stand der Entwicklung von agroXML
agroXML ist eine geschützte Marke des KTBL. Es besteht aus den Komponenten agroXML-Schema und agroXML-Inhaltslisten. Ein XML-Schema definiert die elektronischen Dokumente, mit denen die Daten ausgetauscht werden. Es beruht auf einem Modell der realen Abläufe, die für die Beschreibung der landwirtschaftlichen Produktionsverfahren erforderlich sind, dargestellt in einer baumartigen Hierarchie. Momentan bildet das agroXML-Schema vorwiegend Datenströme aus dem Bereich Pflanzenbau ab.

Um Fehler bei der Dateneingabe oder beim Datenaustausch zu vermeiden, werden strukturierte Listen mit eindeutigen Begriffen, beispielsweise den Namen von Pflanzenschutzmitteln oder Sorten, bereitgestellt. Sie dienen dazu, dem Nutzer eine Auswahlfunktion anzubieten. Zudem werden sie für automatisierte Austauschvorgänge über einen Webservice angeboten. Im Rahmen eines Projektes wird agroXML für die Tierhaltung erweitert.

agroXML steht als Version 1.0 seit Mai 2006 und Version 1.2 seit März 2007 unter www.agroXML.de zur Verfügung. Die Version 1.3 wird am 29. Februar 2008 veröffentlicht.

Anwendungsbeispiele
Hagelversicherung (wird mit Version 1.3 umgesetzt)
Meldung von Flächen an die Hagelversicherung durch Mausklick in der Schlagkartei. Die georeferenzierte Flächenmeldung befindet sich in Entwicklung.

Krankheitsprognose (wird mit Version 1.3 umgesetzt)
Anbautechnische Parameter, die für die Prognose der Bestandesentwicklung und der Halmbruchkrankheit bei Getreide sowie des Kartoffelkäfers und der Krautfäule an Kartoffeln benötigt werden, werden direkt aus der Schlagkartei zu ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion e.V.) übertragen.

Rückverfolgbarkeit Getreidekette Niederösterreich (wird mit Version 1.4 anwendungsreif, Anwendung läuft auf Basis einer erweiterten Version 1.3)
Anbautechnische Parameter von Getreide werden rückverfolgt und über das Lagerhaus bis zur Mühle oder Mälzerei automatisch übertragen.

Bodenprobenauftrag (ist in Entwicklung)
Der Auftrag zur Bodenprobenahme und Analyse kann aus der Schlagkartei per Mausklick an ein Bodenlabor oder an den Bodenprobennehmer erteilt werden. Die Analysewerte kommen elektronisch zurück und werden automatisch in der Schlagkartei abgelegt. Die georeferenzierte Flächenmeldung wird im nächsten Entwicklungsschritt angestrebt.

Auftrag für Fremdarbeiten (ist in Entwicklung)
Die Durchführung von Maßnahmen durch Lohnunternehmer oder Maschinenring kann aus der Schlagkartei erteilt werden. Die Maßnahme wird vom Durchführenden elektronisch dokumentiert, an den Landwirt geschickt und automatisch in der Schlagkartei abgelegt.

Autor: Dr. Martin Kunisch, KTBL, Darmstadt

Weitere Informationen zu agroXML finden Sie unter www.agroXML.de


2. Software wird komfortabler und effizienter

Interview mit Dr. Martin Kunisch, Projektleiter „agroXML" beim KTBL in Darmstadt

Was ist agroXML?

Dr. Kunisch: agroXML ist der standardisierte, jedem verfügbare „Briefumschlag", mit dem zwei Partner mit beliebiger Softwareausstattung elektronische Dokumente austauschen können.

Welche Vorteile bringt agroXML dem Landwirt?

Dr. Kunisch: Landwirtschaftliche Software wird mit agroXML effizienter und komfortabler. Die Software kann dadurch mehr. Sie bekommt einige zusätzliche Funktionen.

Können Sie die Funktionsweise anhand eines kurzen Beispiels erklären?

Dr. Kunisch: Mit der neuen Version 1.3 ab 29. Februar wird es möglich sein, aus einer agroXML-fähigen Schlagkartei Schläge per Mausklick bei jeder Hagelversicherung anzumelden, die agroXML-Daten entgegennimmt.

Was muss der Landwirt tun, damit agroXML-Anwendungen auf seinem Computer funktionieren?

Dr. Kunisch: Die Agrarsoftwarehäuser können agroXML in die Softwareprodukte einbauen und können nach einer Funktionsprüfung durch das KTBL das agroXML-Logo verwenden. Wenn Sie diese Software kaufen, brauchen Sie sonst nichts zu tun. agroXML läuft im Hintergrund und bedarf keiner speziellen Kenntnisse.

Dadurch wird die Software sicher teurer?

Dr. Kunisch: Sicher nicht wegen agroXML, da diese Software als sogenannte „Open Source" kostenfrei verfügbar ist.

Wenn der Datenfluss zukünftig so reibungslos funktioniert und vereinheitlicht ist, sind die Daten dann noch vor äußerem Zugriff geschützt? Wie steht es mit dem Datenschutz?

Dr. Kunisch: Der Landwirt bleibt völlig im Besitz seiner Daten. Er allein bestimmt, wem er welche Daten schickt. Dadurch besteht auch kein Problem mit dem Datenschutz. Die Zugriffsmöglichkeiten von außen werden durch agroXML in keiner Weise beeinflusst.
Und für die Datensicherheit während der Datenübertragung stehen technische Möglichkeiten wie beim Online-Banking oder bei der elektronischen Steuererklärung zur Verfügung, die aber technisch gesehen nicht mit agroXML in Verbindung stehen.


Wie unterscheiden sich ISOBUS und agroXML?

Dr. Kunisch: Hier gibt es klare Absprachen. Der ISOBUS regelt die Kommunikation vom Betriebsrechner über den Schlepper zur Maschine. agroXML ist für den Datenaustausch mit externen Partnern verantwortlich, mit denen der ISOBUS nichts zu tun hat. Die Grenze ist die Betriebsmanagement-Software.

Wer sorgt dafür, dass sich agroXML weiterentwickelt und als Standard etabliert wird?

Dr. Kunisch: Das KTBL sieht sich in der Pflicht, die angefangene Entwicklung fortzuführen. Das ist daran erkennbar, dass das Präsidium des KTBL im April 2007 agroXML als Arbeitsschwerpunkt des KTBL etabliert hat. Die strategischen und konzeptionellen Entscheidungen trifft das Ehrenamt in der Arbeitsgemeinschaft agroXML, in der auch die Entwicklungspartner vertreten sind. Zur Etablierung in der Praxis können die Nutzer mehr beitragen als wir: Wir freuen uns über alle Anregungen für weitere Entwicklungen.

Was wird in Zukunft durch agroXML möglich sein?

Dr. Kunisch: Unser oberstes Ziel war von Anfang an, dass Daten, die auf dem Betrieb elektronisch vorliegen, nie wieder von Hand in eine andere Software übertragen oder gar vom Bildschirm in ein Formular eingetragen werden müssen. Solche Vorgänge müssen automatisch laufen, daher ist ein Standard, den alle nutzen, so wichtig.


KTBL-Presse-Information vom 11. Februar 2008 als
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